Grafik mit dem Titel 'Wem hilft leichte und einfache Sprache eigentlich wirklich?'. Die Grafik zeigt ein Balkendiagramm, das die Kompetenzniveaus der deutschen Bevölkerung darstellt. Die Balken sind nach Sprachstufen von A1 bis C2 gegliedert. Ein kleiner pinker Balken zeigt, dass 4% der Bevölkerung A1-Niveau haben und 16% der Bevölkerung A2-Niveau. Diese beiden Gruppen profitieren von 'leichter Sprache'. Ein großer gelber Balken zeigt, dass 40% der Bevölkerung B1-Niveau haben und von 'einfacher Sprache' profitieren. Weiße Balken zeigen die höheren Sprachstufen B2, C1 und C2. Die Quelle ist angegeben als: 'Kompetenzniveau der deutschen Bevölkerung, Quelle: R. Beekevelt, Spaß am Lesen Verlag und 'Level One Studie', Uni Hamburg 2011'.

Wem hilft leichte und einfache Sprache eigentlich wirklich?

Prof. Dr. Simon Nestler

21. Mai 2024

Leichte Sprache und Einfache Sprache sind zwei Konzepte, die darauf abzielen, Informationen verständlicher zu machen und zur Barrierefreiheit beizutragen. Während Leichte Sprache strengen Regeln folgt und vor allem Menschen mit kognitiven Einschränkungen hilft, ist Einfache Sprache näher an der Standardsprache und spricht eine breitere Zielgruppe an, einschließlich Menschen mit geringer Lesekompetenz oder Nicht-Muttersprachler*innen. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede und die Bedeutung beider Sprachformen für verschiedene Zielgruppen und zeigt, wie sie zur Inklusion und Teilhabe in der Gesellschaft beitragen können.

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Verständlichkeit für alle

Einleitung

Leichte Sprache und Einfache Sprache sind zwei Konzepte, die darauf abzielen, Informationen verständlicher zu machen, unterscheiden sich jedoch in ihrer Methodik und Zielgruppe. Leichte Sprache folgt strengen Regeln, verwendet kurze Sätze, einfache Wörter, und oft unterstützende Bilder, um Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder geringer Lesekompetenz zu erreichen. Einfache Sprache ist flexibler und richtet sich an eine breitere Zielgruppe. Sie nutzt klare und präzise Formulierungen, vermeidet Fachjargon und komplexe Sätze, bleibt jedoch nicht so strikt wie Leichte Sprache. Beide Konzepte teilen das Ziel, Informationen zugänglicher zu machen, gehen dabei jedoch unterschiedlich vor.

Regeln und Anwendung

Unterschiede zwischen Leichter Sprache und Einfacher Sprache

Leichte Sprache ist eine stark vereinfachte Form der Alltagssprache, die vor allem in geschriebenen Texten verwendet wird. Sie folgt strengen Regeln, wie zum Beispiel der Verwendung einfacher Wörter, sehr kurzer Sätze, der Vermeidung von Fremdwörtern und Abkürzungen, dass jeder Satz auf einer neuen Zeile beginnt und der Verwendung von unterstützenden Bildern. Texte in Leichter Sprache werden von Testleser*innen mit Lernschwierigkeiten auf Verständlichkeit geprüft, was sicherstellt, dass sie für die Hauptzielgruppe, nämlich Menschen mit geistigen Behinderungen, Lernschwierigkeiten oder geringer Sprachkompetenz, verständlich sind. Aktion Mensch erklärt die strengen Regeln der Leichten Sprache.

Einfache Sprache hingegen ist komplexer als Leichte Sprache und liegt näher an der Standardsprache. Sie folgt weniger strikten Regeln und kann auch schwierigere Begriffe verwenden, die jedoch erklärt werden. Inklusiv Online beschreibt die Unterschiede zwischen Leichter und Einfacher Sprache. Die Zielgruppe von Einfacher Sprache ist breiter und umfasst neben Menschen mit Behinderungen auch Personen, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, sowie Menschen mit geringer Lesekompetenz. Das Büro für Leichte Sprache Bethel erläutert die Zielgruppen der Einfachen Sprache.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Leichter Sprache und Einfacher Sprache liegt in der Komplexität: Leichte Sprache ist stärker vereinfacht und folgt einem strengeren Regelwerk. Einfache Sprache richtet sich an eine breitere Zielgruppe und verwendet eine weniger stark vereinfachte Form der Alltagssprache. Lebenshilfe Sachsen erklärt die Unterschiede zwischen Leichter und Einfacher Sprache. Ein weiterer Unterschied ist, dass Texte in Leichter Sprache von der Zielgruppe auf Verständlichkeit geprüft werden, während dies bei Einfacher Sprache nicht zwingend der Fall ist. Beide Konzepte dienen der Barrierefreiheit und sollen die Teilhabe an Gesellschaft und Politik für Menschen mit Leseschwierigkeiten ermöglichen. Netz Barrierefrei beschreibt die Prüfung auf Verständlichkeit in Leichter Sprache.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Begriffe Leichte Sprache und Einfache Sprache nicht immer einheitlich verwendet werden und es keine allgemein verbindlichen Definitionen gibt. Die Entwicklung von Standards und klaren Definitionen wird von Expert*innen als notwendig erachtet, um die Effektivität und Anwendung dieser Sprachformen zu verbessern. Die Bundeszentrale für politische Bildung diskutiert die Notwendigkeit klarer Standards für Leichte und Einfache Sprache. Weitere Informationen und spezifische Beispiele zu den Unterschieden und Anwendungen von Leichter und Einfacher Sprache finden sich in zahlreichen Quellen, wie etwa bei Capito, Inklusion Kultur, LBIT Hessen, Gfds, BGW Online, Mentorium, Portaleinfach, Gehirngerecht, Lingidoo, Wikipedia zu Einfache Sprache, Einfachesprachebonn, Cotelangues, und Text-Welten.

Wer profitiert?

Zielgruppen, die von leichter und einfacher Sprache profitieren

Menschen mit kognitiven Einschränkungen, wie etwa Lernschwierigkeiten oder geistigen Behinderungen, haben oft Schwierigkeiten, komplexe Texte zu verstehen. Leichte Sprache hilft ihnen, Informationen besser zu verarbeiten und zu verstehen, was ihre Selbstständigkeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fördert. Der Verbund Leichte Sprache erklärt die Zielgruppen, die von Leichter Sprache profitieren, LBIT Hessen beschreibt die Zielgruppen der Leichten Sprache.

Funktionale Analphabet*innen, also Menschen, die nur einfache Sätze lesen und schreiben, aber keine zusammenhängenden Texte verstehen können, profitieren ebenfalls von Leichter Sprache. In Deutschland betrifft dies etwa 12,1 % der erwerbsfähigen Bevölkerung (ca. 6,2 Millionen Menschen). Leichte Sprache ermöglicht es ihnen, wichtige Informationen zu verstehen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Auch Menschen mit Sinneseinschränkungen, wie Gehörlose und Menschen mit Hörschädigungen, haben oft Schwierigkeiten, komplexe schriftliche Informationen zu verstehen. Leichte Sprache erleichtert ihnen den Zugang zu Informationen und fördert ihre Inklusion. Migrant*innen, Flüchtlinge und Tourist*innen, die die deutsche Sprache noch nicht gut beherrschen, können durch Leichte Sprache besser integriert werden. Sie erhalten Zugang zu wichtigen Informationen, die für ihr tägliches Leben und ihre Integration notwendig sind. K Produktion erklärt die Vorteile der Leichten Sprache für Migrant*innen.

Menschen mit Aphasie, einer Sprachstörung, die oft nach einer Gehirnschädigung auftritt, profitieren ebenfalls von Leichter Sprache. Sie hilft diesen Menschen, trotz ihrer Sprachstörungen Informationen zu verstehen und zu kommunizieren. Für Menschen mit Autismus, die oft Schwierigkeiten mit komplexer Sprache und abstrakten Konzepten haben, kann Leichte Sprache hilfreich sein, da sie Informationen klarer und verständlicher macht. Menschen mit Legasthenie, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben, profitieren ebenfalls von Leichter Sprache, da sie ihnen hilft, Texte besser zu verstehen und ihre Lesekompetenz zu verbessern.

Ältere Menschen, deren kognitive Fähigkeiten und Verständnis komplexer Texte mit zunehmendem Alter nachlassen können, profitieren auch von Leichter Sprache. Sie hilft ihnen, weiterhin Zugang zu wichtigen Informationen zu haben und ihre Selbstständigkeit zu bewahren. Demenzkranke Menschen, die oft Schwierigkeiten haben, komplexe Informationen zu verarbeiten, können durch Leichte Sprache ebenfalls besser verstehen und sich im Alltag zurechtfinden. Einfachesprachebonn beschreibt die Vorteile für ältere Menschen und Demenzkranke.

Förderung von Inklusion

Bedeutung der leichten und einfachen Sprache

Leichte und einfache Sprache tragen zur Barrierefreiheit und Inklusion bei, indem sie sicherstellen, dass alle Menschen, unabhängig von ihren sprachlichen oder kognitiven Fähigkeiten, Zugang zu wichtigen Informationen haben. Dies fördert die Selbstständigkeit, Teilhabe und Integration der betroffenen Personen in die Gesellschaft. Darüber hinaus kann die Verwendung leichter Sprache auch die Lesekompetenz verbessern und Missverständnisse sowie Fehlinformationen reduzieren, was sowohl für die betroffenen Personen als auch für die Gesellschaft insgesamt von Vorteil ist. Inklusiv Online erläutert, wie Leichte und Einfache Sprache zur Inklusion beitragen.

Zusätzliche Quellen wie Capito, DLF, Bundesregierung, Netzwerk IQ, Gemeinsam Einfach Machen, Aktion Mensch, Leichte Sprache, und NDR bieten weiterführende Informationen und Ressourcen zu diesem Thema.

Zusammenfassung der Vorteile

Fazit

Leichte Sprache und Einfache Sprache sind essenzielle Werkzeuge zur Förderung der Barrierefreiheit und Inklusion. Sie stellen sicher, dass Informationen für alle Menschen, unabhängig von ihren Fähigkeiten, verständlich und zugänglich sind. Durch die Anwendung dieser Sprachformen können wir die Teilhabe und Integration vieler Menschen verbessern und gleichzeitig Missverständnisse reduzieren. Die Entwicklung klarer Standards und Definitionen ist entscheidend, um die Effektivität dieser Sprachformen zu maximieren.

Disclaimer: Auch wir machen in unserem Blog Gebrauch von den spannenden Möglichkeiten, die sich durch künstliche Intelligenz ergeben. Die Idee und die Konzeption der Artikel kommt dabei bei uns weiterhin von Menschen. Und auch die Gestaltung der Infografiken kommt zu hundert Prozent aus menschlicher Feder. Hilfe erhalten wir hingegen beim Referenzieren von weiterführender Literatur, der Ausformulierung unserer Gedanken, der Erstellung der Alternativtexte sowie bei der Erstellung von Einleitung, Zusammenfassung und Fazit. Dabei gilt stets: Was im Artikel gut gelungen ist, kommt vermutlich von der KI (insbesondere von ChatGPT, Perplexity, Midjourney und DALL-E) - Fehler gehen hingegen auch weiterhin auf unsere Kappe. Falls Sie einen Fehler gefunden haben, sind wir dankbar für einen kurzen Hinweis per E-Mail an: webinar@u-ux.de.

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